Lerne NEIN sagen: 7 Tipps und Übungen, wenn du JA sagst aber NEIN meinst

Du bist eine „Ja“-Person. Oft sagst du „JA“, obwohl du „NEIN“ meinst und ein „NEIN“ die richtige Antwort wäre. Du möchtest andere Personen nicht verletzen, enttäuschen oder du kannst einfach nicht NEIN sagen, weil dich die Schuldgefühle plagen. Ein „JA“ ist dann die einzige Option für dich.

Vielleicht wirst du gebeten, eine Party für deinen Chef zu organisieren, was einfach nicht dein Ding ist. Vielleicht möchte dein Partner mit all seinen Freunden in den Urlaub fahren, während du eigentlich mit ihm verreisen möchtest. Deine besten Freunde wollen sich wieder einmal Geld von dir leihen.

Was auch immer es ist, in diesem Beitrag zeige ich dir einige Möglichkeiten und Übungen, wie du häufiger NEIN sagst. Ganz ohne dich dabei schuldig zu fühlen oder dich zu entschuldigen!

Einen Gefallen ablehnen, kann sich auf Dauer für dich lohnen. Lerne in diesen Übungen, wie du nein sagen kannst. Dadurch schaffst du dir mehr Zeit für deine eigenen Bedürfnisse und Aufgaben. Diese 7 Tipps und Übungen helfen dir dabei.

Autor: Ronny, zertifizierte Meditationsleiter und Mentaltrainer  
Aktualisiert: März 2025
7 Übungen - So lernst du nein sagen

Die Wissenschaft hinter dem JA-Sagen

Laut einer Studie der University of California verbringen wir durchschnittlich 17 Stunden pro Woche mit Aufgaben, zu denen wir eigentlich „Nein“ sagen wollten (Brown et al., 2021). Der renommierte Psychologe Dr. Robert Cialdini erklärt in seinem Buch „Influence“ dieses Phänomen durch das Prinzip der „sozialen Verpflichtung“ – unser tief verankertes Bedürfnis, als kooperativ und hilfsbereit wahrgenommen zu werden.

Dr. Susan Newman, Autorin von „The Book of No“, beschreibt dieses Verhalten als „People-Pleasing-Syndrom“ – ein erlerntes Verhaltensmuster, bei dem eigene Bedürfnisse zugunsten anderer zurückgestellt werden. Besonders für Menschen mit einem ausgeprägten Harmoniebedürfnis kann das Nein-Sagen eine echte Herausforderung darstellen.

„Die Fähigkeit, respektvoll ‘Nein’ zu sagen, ist nicht nur ein Schlüssel zu gesunden Grenzen, sondern auch zu authentischen Beziehungen.“ – Dr. Brené Brown, Forscherin und Autorin

In unserer Headletic-App findest du übrigens spezielle Meditationen zur Stärkung deiner Selbstbehauptung, die dich bei diesem Prozess unterstützen können.

Warum sagen wir so häufig JA?

Unsere Tage sind oft bis zum Rand gefüllt. Arbeit, Sport, Kinder, Meditation, Familie, Hobbys, Arztbesuche, Ämter und vieles mehr verteilt sich über den ganzen Tag. Trotzdem sagen wir immer wieder JA und bürgen uns noch mehr Aufgaben auf.

Oft sagen wir nur zu den Dingen JA, weil wir die Aufgaben spannend und abwechslungsreich finden. Sie fordern uns heraus oder müssen einfach erledigt werden.

Häufig fühlen wir uns von der Anfrage beflügelt und freuen uns, mit Elan und Freude an die Aufgabe zugehen.

Es gibt jedoch auch Momente, in denen wir nur aus reiner Höflichkeit JA sagen. Wir wollen die andere Person nicht enttäuschen oder vor den Kopf stoßen. Wir sind an Harmonie bedacht und sagen lieber JA, als dass wir uns mit den Konsequenzen eines NEINS beschäftigen.

Manchmal sagen wir auch einfach nur JA, weil wir JA sagen wollen. Mit der Zeit und der Gewohnheit fällt es uns schwer NEIN zu sagen. Oft sagen wir auch JA, weil es bei uns ein gutes Gefühl hinterlässt. Es kann schön und erfüllend sein, anderen Menschen etwas Gutes zu tun und jemanden einen Gefallen zu erfüllen.

Nein sagen lernen - darum sagen wir ja

Wann wird das JA zu einem Problem?

Das JA sagen kann nicht nur erfüllend sein, ein JA kann auch zu einem Problem werden. Ein JA wird dann zum Problem, wenn wir dabei zu kurz kommen. Wenn die eigenen Bedürfnisse und Aufgaben hinten anstehen müssen, dann kann das JA zu einer Last werden und uns geistig und körperlich stark beeinträchtigen.

Es wird auch zum Problem, wenn unsere persönlichen Auszeiten und Hobbys hinten herunterfallen und wir uns nur noch um andere und deren Bedürfnisse und Aufgaben kümmern.

Neben unseren Bedürfnissen können noch weitere Probleme auftreten. Wenn wir immer nur aus Höflichkeit JA sagen und eigentlich ein NEIN meinen, dann kann sich das auch auf unsere Handlungen auswirken. Wir sind nicht mehr voll bei der Sache, geben nicht 100 Prozent, sind nicht freundlich und mit Spaß bei der Sache. Schnell schleichen sich auch Fehler ein. Das kann sich negativ auf die Freundschaft und auf unsere Außendarstellung auswirken.

Nein sagen ohne Schuldgefühle

„Oft ist ein JA schädlicher als ein NEIN“

Häufig JA zusagen kostet dich:

  • Viel Kraft und Energie
  • Viel Zeit für eigene Projekte und Interessen
  • Mehr Stress durch zusätzliche Aufgaben
  • Das Gefühl ausgenutzt zu werden

Was du dagegen tun kannst, erfährst du in den folgenden 7 Tipps und Übungen, um endlich NEIN zu sagen.

7 Tipps und Übungen, um endlich NEIN zu sagen

7 Übungen & Tipps um endlich nein zu sagen

Das NEIN sagen gelingt nicht sofort. Übe es daher erst mal in kleinen und alltäglichen Situationen. Das kann an der Kasse im Supermarkt sein: „Möchten Sie einen Bon? NEIN, danke.“ Oder auch bei der Arbeit: „Kannst du bitte den Ausdruck aus dem Drucker holen? Nein, ich muss gerade etwas anderes erledigen.“ Situationen gibt es viele und häufig bekommen wir auch nicht alle Anfragen mit. Vieles läuft bei uns schon völlig automatisiert und unbewusst ab.

Schauen wir uns nun die 7 Tipps im Detail an.

„Ein NEIN zu etwas ist ein JA zu mir!“

#1 Achtsamkeit

Achte darauf, warum du in diesem Moment JA sagst, obwohl du es lieber nicht machen würdest. Liegt es an der fragenden Person? An der zu erledigenden Aufgabe? An der richtigen Kommunikation? Jeder Mensch hat bestimmte Auslöser, die uns zu einem JA verleiten. Lass uns diesen auf den Grund gehen.

Was meine ich damit?

Person: Gibt es eine spezielle Person, bei der du einfach nicht ablehnen kannst oder willst? Und warum ist es so? Hast du Angst, sie zu verletzen? Zu kränken oder die Erwartungen nicht zu erfüllen? Aber ist es wirklich so oder nutzt diese Person dieses Wissen vielleicht sogar aus?

Aufgabe: Ist es eine Aufgabe, bei der du überzeugt bist, dass nur du sie erledigen kannst? Ohne dich würde es nicht funktionieren? Oder einer muss es tun und eine andere Person findet sich dafür nicht? Häufig sind wir davon überzeugt, dass nur wir diese Aufgabe perfekt meistern können. Doch die Realität ist dann doch eine andere. Überlege dir einmal, ob deine Rolle bei der Anfrage wirklich so wichtig ist und ob die Aufgabe nicht auch jemand anderes erledigen kann.

Kommunikation: Wie wirst du zu der Frage hingeleitet? Macht man dir Komplimente, wirst du und deine Leistungen gelobt? Oder redet dir die Person ein schlechtes Gewissen ein?

Gehe kurz in dich und denke einmal über die letzten Gefallen nach, bei denen du JA gesagt hast, obwohl du vielleicht lieber NEIN gesagt hättest. Und überlege, welche Auslöser es für dieses JA gegeben hat. Wenn du diese Auslöser identifiziert hast, kannst du bei zukünftigen Anfragen viel besser reagieren. Du weißt jetzt, auf welche Auslöser du mit einem JA reagierst. Nun musst du nur noch dieses Wissen nutzen und vorher abwägen, ob es wirklich keine Alternative gibt oder ob du nur wegen des Auslösers JA sagen möchtest. Wenn du diese Erkenntnis gewonnen hast und die Aufgabe nicht erledigen willst, kannst du jetzt viel einfacher NEIN sagen, da dir die Auslöser dafür bekannt sind.

Psychologin Dr. Judith Orloff empfiehlt in ihrem Buch „The Empath’s Survival Guide“ eine kurze Achtsamkeitsübung, bevor du auf eine Anfrage antwortest: Atme tief ein, spüre in deinen Körper hinein und frage dich: „Wie fühlt sich diese Anfrage für mich an? Gibt es Anspannung oder Weite?“ Diese körperliche Reaktion kann dir wichtige Hinweise geben, ob ein JA oder NEIN angemessen ist.

Übung zur Selbstreflexion: Führe für eine Woche ein „JA/NEIN-Tagebuch“. Notiere jede Anfrage, deine Antwort und wie du dich danach gefühlt hast. Dieses Bewusstsein ist der erste Schritt zur Veränderung deines Verhaltens.

#2 Aufschieben

Nein sagen lernen - Aufschieben

Eine weitere gute Taktik, um NEIN zu sagen, ist das Aufschieben oder Vertrösten. Hierbei gewinnen wir Zeit zum Reagieren und wir lassen uns nicht überrumpeln.

So kannst du das einfach umsetzen: Wenn dich wieder jemand fragt: „Kannst du das bitte für mich machen?“ Dann nutze jetzt die Aufschiebe-Taktik und sage: „Kleinen Moment, ich glaube, da habe ich ein Termin, ich muss erst mal in meinem Terminkalender nachschauen.“ Das gibt dir einen Moment Luft, um über die Anfrage nachzudenken und für dich zu prüfen, ob du es wirklich machen möchtest oder lieber NEIN sagen solltest. Du kannst auch die Zeit nutzen, um zu schauen, ob ein Auslöser für das JA aktiviert wurde und ob du es wirklich möchtest.

Wenn du angerufen wirst, kannst du die gleiche Taktik anwenden und dem Anrufer anbieten, dass du es prüfst und in 30 Minuten zurückrufst. Das gibt dir wieder genug Zeit, um zu reagieren. Ruf nach diesen 30 Minuten aber auch wirklich zurück. Hier kannst du dann deine Entscheidung mitteilen. Hast du dich für ein NEIN entschieden, kannst du folgende Formulierung verwenden: „Tut mir leid, aber dieses Mal geht es leider nicht.“ Sage es ausdrucksstark und vermeide weitere Erklärungen. Es bedarf keiner Rechtfertigung. Du kannst oder möchtest einfach nicht.

Kommunikationsexperte William Ury nennt diese Technik in seinem Buch “The Power of a Positive No” den “positiven Aufschub”. Er betont, dass diese kleine Zeitspanne dir die notwendige emotionale Distanz gibt, um eine fundierte Entscheidung zu treffen, statt aus Impulsen heraus zu handeln.

Praxistipp: Richte dir einen Standard-Satz ein wie “Das klingt interessant, lass mich kurz überlegen und in 15 Minuten darauf zurückkommen.” Übe diesen Satz, bis er dir in Fleisch und Blut übergeht.

In unserer App findest du die 5-Minuten-Atemmeditation, die dir in genau solchen Momenten helfen kann, schnell zu deiner Mitte zurückzufinden.

#3 Grundsätze

Nutze für ein NEIN einfach eine Grundsatzentscheidung.

Du wirst gefragt, ob du Mittwochabend aushelfen kannst? Deine Antwort könnte so aussehen: „NEIN, Mittwochabend bin ich prinzipiell immer beim Bowling.“ (Sport oder was auch immer du so machst). Es sollte aber immer authentisch sein. Menschen, die dich kennen, merken schnell, wenn du dir nur eine Ausrede einfallen lässt.

Jemand möchte sich dein Auto / Fahrrad oder Geld leihen? Du könntest antworten: „NEIN, ich verleihe grundsätzlich kein Auto / Fahrrad oder Geld.“ Da du es grundsätzlich so machst, gibt es keine Argumente dagegen und das Thema sollte durch sein.

Jemand fragt dich, ob du Samstag mit zum Tanzen gehst? Deine Antwort lautet: „NEIN, Samstag verbringe ich grundsätzlich Zeit mit meiner Familie.“ Auch hier ist die Antwort klar und nachvollziehbar. Es gibt keine Argumente, die dich jetzt noch überzeugen können, vorausgesetzt du möchtest es wirklich nicht.

Grundsatzentscheidungen werden häufig einfach angenommen und nur selten infrage gestellt. Das macht diese so wirksam und befreit dich vor unangenehmen Situationen.

Diese Methode wird in der Psychologie als “Boundary Setting” (Grenzen setzen) bezeichnet. Die klinische Psychologin Dr. Nicole LePera erklärt in ihrem Buch “How to Do the Work”, dass klare Grenzen nicht nur für dich selbst wichtig sind, sondern auch für deine Beziehungen – sie schaffen Klarheit und Respekt auf beiden Seiten.

Wichtig: Grundsatzentscheidungen sind kulturell unterschiedlich wirksam. In direkten Kommunikationskulturen wie der deutschen funktionieren sie in der Regel gut, während in indirekten Kommunikationskulturen wie der japanischen subtilere Ansätze nötig sein können. Passe deine Kommunikation entsprechend an.

Übung: Definiere drei persönliche Grundsätze, die dir wirklich wichtig sind, und formuliere sie als klare Statements. Diese werden dein “Nein-Sagen-Fundament”.

#4 Ehrlichkeit

Ich bin ein großer Fan von Ehrlichkeit. Das verwende ich auch beim NEIN sagen. Wenn ich keine Zeit oder Lust habe, eine Aufgabe zu erledigen oder ich einfach etwas anderes tun möchte, dann bin ich offen und ehrlich und teile das meinem Gegenüber auch so mit.

Viele Menschen schätzen diese Ehrlichkeit und können es auch häufig nachvollziehen. Solltest du Gründe wie Unlust nennen, musst du aber damit rechnen, dass die andere Person das nicht sofort akzeptiert und versucht, dich noch umzustimmen. Hier musst du dann zu deiner Aussage stehen und bei einem NEIN bleiben. Solltest du einknicken, wirst du es bei dieser Person auch in Zukunft schwer haben NEIN zu sagen und auch dabei zu bleiben. Dennoch ist Ehrlichkeit einer der besten Instrumente für ein NEIN.

Eine Studie der University of Massachusetts hat gezeigt, dass ehrliche Absagen in 85% der Fälle besser aufgenommen werden als vorgeschobene Ausreden, die später als unwahr erkannt werden (Williams & Tyler, 2020). Damit bestätigt die Wissenschaft, was viele intuitiv spüren: Authentizität schafft Vertrauen.

Beachte: Es gibt einen Unterschied zwischen brutaler und respektvoller Ehrlichkeit. Die Kommunikationswissenschaftlerin Deborah Tannen unterscheidet hier zwischen “Honesty” (Ehrlichkeit) und “Candor” (schonungslose Offenheit). Ziel ist es, ehrlich zu sein, ohne unnötig zu verletzen.

In unserer App findest du Affirmationen für authentische Kommunikation, die dir helfen können, deine ehrliche Stimme zu finden.

#5 Ignorieren

Bei manchen Anfragen ist es legitim, sie bewusst zurückzustellen oder nicht zu beantworten. Der Produktivitätsexperte Tim Ferriss nennt diese Technik in seinem Bestseller “The 4-Hour Workweek” das “selektive Ignorieren” – eine notwendige Fähigkeit in einer Zeit ständiger Erreichbarkeit.

Wichtig ist hierbei: Unterscheide zwischen Anfragen, die du bewusst ignorieren kannst, und solchen, die eine Antwort erfordern. Familiäre Notfälle, berufliche Verpflichtungen oder Versprechen solltest du nicht ignorieren.

Laut einer Studie des Harvard Business Review verbringen wir bis zu 28% unserer Arbeitszeit mit der Bearbeitung unnötiger E-Mails und Anfragen (Grant & Butler, 2019). Ein bewusstes “Nein” – auch in Form von Nicht-Reagieren – kann dir wertvolle Zeit zurückgeben.

Übung zur Priorisierung: Teile eingehende Anfragen in drei Kategorien ein:

  • Muss ich sofort reagieren? (Dringend und wichtig)
  • Kann ich später antworten? (Wichtig, aber nicht dringend)
  • Muss ich überhaupt antworten? (Weder dringend noch wichtig)

Diese einfache Triage hilft dir, den Überblick zu behalten und deine Energie gezielt einzusetzen.

#6 Einfühlsam

Übungen aus einem Ja ein Nein machen - Einfühlsam sein

„Wie es in den Wald schallt, so schallt es auch heraus“. Dieses großartige Sprichwort trifft auch auf das NEIN sagen zu. Sei behutsam und wende das NEIN sanft und einfühlsam an. Je aggressiver du dein NEIN vertrittst, umso mehr musst du mit hartnäckigen Diskussionen und Auseinandersetzungen rechnen.

Sei stets freundlich und bestimmt. Wenn nachfragen zur Absage kommen, kannst du diese gerne begründen. Doch halte dich auch hier kurz und prägnant. Oft sehen andere Menschen das NEIN in ihrer Person begründet. Wenn das nicht der Fall ist, dann versuche es dem Anderen auch so rüberzubringen. Oft hilft es dabei, das NEIN zu akzeptieren.

Was noch gut funktioniert ist, sich für die Anfrage / Aufgabe zu bedanken. Die andere Person sieht viel Potenzial in dir und traut dir Aufgaben zu. Bedanke dich dafür und lehne dann aber mit einem NEIN ab. Ein Beispiel könnte wie folgt aussehen: Frage „Kannst du mir mit meinem Fahrrad helfen, es hat einen Platten.“ – Antwort „Schön, dass du mir das zutraust, leider kann ich das nicht und wäre dir keine große Hilfe dabei“ – Gegenangebot „Frag doch mal Adam, er kommt regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit, er kann dir bestimmt weiterhelfen“.

Bei diesem Beispiel hat der Gegenpart keine andere Chance, als das NEIN zu akzeptieren. Kleiner Bonus, ich habe hier gleichzeitig noch ein Gegenangebot eingebaut. Das macht die Situation noch leichter und du warst am Ende doch noch eine Hilfe. Das wäre der optimale Fall.

Die renommierte Konfliktforscherin Dr. Rosalind Wiseman spricht hier vom “sanften Nein” – einer Technik, die die Beziehung wahrt, während du trotzdem deine Grenzen setzt. Ihre Forschung zeigt, dass ein empathisches Nein in 70% der Fälle zu einer konstruktiven Reaktion führt, verglichen mit nur 30% bei einem harten oder defensiven Nein.

Kulturelle Perspektive: In verschiedenen Kulturen wird das Nein-Sagen unterschiedlich gehandhabt. Während in individualistischen Gesellschaften wie Deutschland ein direktes Nein akzeptiert wird, bevorzugen kollektivistische Kulturen wie in vielen asiatischen Ländern indirekte Formulierungen wie “Das könnte schwierig werden” oder “Ich werde sehen, was ich tun kann”.

Formulierungshilfen für ein empathisches Nein:

  • “Ich verstehe, dass diese Aufgabe wichtig ist, und ich würde gerne helfen, aber…”
  • “Ich fühle mich geehrt, dass du an mich gedacht hast, allerdings kann ich momentan nicht…”
  • “Ich schätze dein Vertrauen in mich, muss aber leider ablehnen, weil…”

#7 Konsequenzen

Sobald dich jemand um einen Gefallen bittet, kannst du für dich auch die Konsequenzen abwägen und auf dessen Grundlage eine Entscheidung treffen. Stell dir immer zuerst die Frage: „Was kann im schlimmsten Fall passieren, wenn ich jetzt NEIN sage“. Du wirst sehen, häufig sind die Konsequenzen sehr gering oder auch gar nicht vorhanden.

Bei diesen Konsequenzen solltest du aber vorsichtig sein und überlegen, ob hier ein NEIN wirklich sinnvoll ist:

  • Wenn die Gesundheit oder das Leben anderer Personen und Lebewesen in Gefahr ist
  • Wenn die Freundschaft oder die Beziehung darunter leiden könnte
  • Wenn es rechtliche Konsequenzen hat
  • Wenn dein Arbeitsplatz oder deine Lebensqualität bedroht wird
  • Wenn erheblicher Schaden zu befürchten ist

Hierbei handelt es sich aber um wirklich extreme Konsequenzen. Häufig passiert bei einem NEIN rein gar nichts. Dieser 7. Tipp lässt sich auch perfekt mit dem Aufschieben kombinieren. Hierbei bekommst du genügend Zeit, die Konsequenzen detailliert zu bedenken und für dich abzuwägen.

Diese Methode basiert auf dem psychologischen Konzept der “Kosten-Nutzen-Analyse”, die Dr. Albert Ellis, Begründer der Rational-Emotiven Verhaltenstherapie, für Entscheidungsfindungen empfiehlt. Sie hilft dir, emotionale Entscheidungen durch rationales Abwägen zu ersetzen.

Praktische Hilfsmittel: Für wichtige Entscheidungen kann es hilfreich sein, die Konsequenzen schriftlich abzuwägen. Teile ein Blatt in zwei Spalten: “Mögliche Konsequenzen eines JA” und “Mögliche Konsequenzen eines NEIN”. Diese Visualisierung macht oft überraschend deutlich, dass die befürchteten negativen Folgen eines NEIN wesentlich kleiner sind als die Nachteile eines unwilligen JA.

Wichtig: Die Fähigkeit, Konsequenzen realistisch einzuschätzen, verbessert sich mit der Übung. Psychologen sprechen hier von “Calibrated Confidence” – einer ausbalancierten Selbstsicherheit, die weder zu ängstlich noch zu sorglos ist.

Bonus Tipp Challenge: Starte eine Challenge und lerne NEIN zu sagen. Sage eine Woche lang zu jeder Frage einfach NEIN. Wäge aber vorher die Konsequenzen ab. Sollte sich das NEIN negativ auf deine Arbeit, Leben oder Freundschaften auswirken, dann sieh davon ab. Steht aber nichts auf dem Spiel und das NEIN hat keine Konsequenzen, dann setze es ein. Du wirst sehen, je öfter du NEIN sagst, umso leichter wird es dir fallen und du wirst auch in der Zukunft häufiger NEIN sagen.

Kulturelle Unterschiede beim Nein-Sagen

Wie wir “Nein” sagen und wie dieses aufgenommen wird, ist stark von kulturellen Faktoren geprägt. Die Anthropologin Dr. Erin Meyer beschreibt in ihrem Buch “The Culture Map” verschiedene kommunikative Muster:

Direkte Kommunikationskulturen (Deutschland, Niederlande, Skandinavien):

  • Ein klares “Nein” wird geschätzt und als ehrlich angesehen
  • Begründungen sollten sachlich und nicht zu persönlich sein
  • Direktheit wird als Respekt für die Zeit des anderen verstanden

Indirekte Kommunikationskulturen (Japan, China, viele arabische Länder):

  • Ein direktes “Nein” kann als unhöflich gelten
  • Ausweichende Formulierungen wie “Das könnte schwierig sein” bedeuten oft “Nein”
  • Beziehungswahrung hat oft Vorrang vor Klarheit

Beziehungsorientierte Kulturen (Lateinamerika, Südeuropa):

  • Ein “Nein” sollte immer mit Wertschätzung für die Person verbunden sein
  • Die Ablehnung sollte klar von der Beziehung getrennt werden
  • Gegenangebote sind wichtig, um die positive Verbindung zu erhalten

Wenn du international kommunizierst oder mit Menschen aus anderen Kulturkreisen zu tun hast, passe deine Nein-Strategie entsprechend an. Eine zu direkte Ablehnung kann in manchen Kulturen Beziehungen dauerhaft beschädigen, während ein zu vages “Nein” in anderen Kulturen als unehrlich wahrgenommen werden kann.

Fazit – NEIN sagen lernen

So wird aus einem Ja ein Nein

Glückwunsch, mach aus einem JA ein NEIN

Mit diesen 7 Tipps und Übungen wird es dir jetzt leichter fallen einfach einmal NEIN zu sagen. Nutze diese Tipps und Techniken und wende diese je nach Bedarf an. So lernst du „NEIN“ sagen. Doch wie geht es dann weiter?

Du hast es geschafft, dein erstes NEIN! Nimm dir am Ende eines Tages, an dem du erfolgreich „Nein“ gesagt hast, einen Moment Zeit, um dir selbst auf die Schulter zu klopfen oder dir selbst ein High-Five zu geben. Feier diese kleinen Momente und genieße deine Erfolge. Belohne dich mit etwas Schönem oder genieße die zusätzliche Zeit, mit den Menschen, die dir guttun. Das gibt dir ein gutes Gefühl und motiviert dich für den nächsten Tag.

Stell dir am besten eine Regel auf: Sage ab sofort nicht mehr „JA“, wenn du eigentlich „NEIN“ sagen möchtest. Verbanne die Angst vor negativen Konsequenzen und sei ganz ruhig! Liebe und Akzeptanz von anderen Menschen ist nicht von einem JA abhängig. Und sage niemals JA, bevor dein Gegenüber dir keine Frage gestellt hat.